Ceduna - Nallarbor Roadstation (SA) (Mittwoch, 4.3.2009)
Wetter: bedeckt bis heiter / Temp.: 24 Grad / Wind: 3 – 5 Bf.
Nullarbor Plain:
Die "Nullarbor Plain" ist eine flache, weit ausgedehnte Karstwüste und gleichermassen die grösste, flachste, zusammenhängende Kalksteinebene auf der Erde. Sie ist ca. 2000 km2 gross und bis zu 300 m dick. Sie soll gemäss Experten vor ca. 25 Mio. Jahren entstanden sein. Im Kalkstein gibt es unzählige unterirdische Höhlen und Seen. Teile der "Nullarbor-Wüste" sind Nationalparks. "Null arbor" stammt übrigens aus dem Lateinischen und bedeutet "kein Baum".
Parallel dazu, im 100 bis 150 km Abstand, verläuft eine echte Eisenbahnlegende, die "Indian Pacific". Diese verkehrt zweimal wöchentlich zwischen "Sydney" und "Perth". Für die 4350 km lange Strecke benötigt der Reisezug 3 Tage und 3 Nächte (ca. 65 Stunden). Innerhalb der "Nullarbor Plain" verläuft die Bahnlinie über 478 km schnurgerade, ein absoluter Rekord!
"Ceduna" ist das Tor zur "Nullarbor Plain". Ab hier bis zum nächsten Dorf "Norseman" gibt es lediglich etwa 12 "Roadhouses", wo man unterwegs essen, trinken, übernachten und Diesel nachtanken kann. Wenn man diese 1194 km lange Strecke auf europäische Verhältnisse überträgt, bedeutet dies eine Strasse ohne jegliche Dörfer oder Städte, welche von Paris bis nach Wien reichen würde, einfach fantastisch.
Wir haben für die Durchquerung ca. drei bis vier Tage eingeplant, damit wir die Naturschönheiten in vollen Zügen geniessen können. Wir fahren früh am Morgen los, um am ersten Tag möglichst weit zu kommen, denn die Sehenswürdigkeiten liegen vor allem auf der zweiten Hälfte der Strecke.
An der Shelltankstelle mit extra grossem Wendeplatz füllt eben ein "Roadtrain" vor der grossen Fahrt noch seinen Dieseltank auf. Wir haben unser Büssli bereits voll getankt.
Zunächst fahren wir noch durch normales Busch- und Agrarland mit unendlichen Geraden, wie schon gehabt.
Auf dieser einzigen Strassenverbindung zwischen Ost- und Westaustralien hat es schon wesentlich mehr Verkehr. Nebst den vielen Roadtrains und LKWs tummeln sich Reisende mit Caravans und Campervans, wie wir.

Immer wieder sieht man Wasserpumpstationen, die mit Windkraft aus der Tiefe Grundwasser empor pumpen, hier die einzige Wasserquelle, da hier weit und breit keine Flüsse oder Seen existieren.
Dann taucht plötzlich ein neues bisher unbekanntes Schild auf "Grid" (Gatter) und schon rattern wir über kräftige in die Strasse eingelassene Eisenstäbe.
Hier quert der "Dog Fence" die Strasse, einer der längsten Zäune der Welt. Der 5614 km lange Zaun beginnt in "Queensland " und reicht bis zur "Great Ocean Bight" in "South Australia". Er wurde erbaut, um die wilden "Dingoes" vom landwirtschaftlich genutzten Land abzuhalten.
Auf dieser Strecke gibt es noch viele andere Strassenschilder, wie zum Beispiel dieses oft fotografierte Warnschild wegen Kamelen, Kangaroos, Wombats.
Oft treffen wir auch auf die verschiedensten Tafeln, die zum Anhalten bei Müdigkeit auffordern. Die Australier sind hier ausgesprochen kreativ.
Die Aufforderung für Zwischenhalte ist bei den vielen geraden Strecken absolut berechtigt. Vor allem im Zusammenhang mit der Hitze (oft um die 40 Grad) sind hier bestimmt schon einige am Steuer eingenickt.
Wie auf Kommando fehlen plötzlich jegliche Bäume. Hier beginnt die eigentliche "Nallarbor Plain". Ein Schild am Strassenrand macht darauf aufmerksam.
Kurz vor unserer ausgewählten "Roadstation Nallarbor" für die erste Übernachtung zweigen wir zur Bucht "Head of Bight" ab. Nach zwölf Kilometern sind wir am Ocean. Trotz relativ bedecktem Himmel ein imposantes Bild dieser Steilküste.
Die Klippen entlang der "Great Australian Bight", der "grossen Australischen Bucht", sind bis 90 m hoch. Es gibt aber auch unendliche Sandstrände mit respektablen Sanddünen.
Und weiter geht's auf dem "Eyre HWY" bis zur "Roadstation".
Wir sind noch früh dran und der Caravan Park ist praktisch leer. So können wir unseren Platz frei auswählen.
Kaum haben wir uns eingerichtet, kommen auch schon die ersten Gäste. Hier gibt es etliche "Dingoes", die sich lieber von den Gästen verpflegen lassen, als mühsam selbst etwas zu jagen.
"Dingoes" sind normalerweise scheue Tiere. Hier auf der "Roadstation" sind sie scheinbar an den Menschen gewöhnt.
Am späteren Nachmittag gesellt sich noch ein imposanter "Road Train" zur Campergesellschaft.
Nallarbor Roadstation (SA) – Madura Roadstation (WA) (Donnerstag, 5.3.2009)
Wetter: bedeckt bis heiter / Temp.: 26 Grad / Wind: 2 – 4 Bf.
Das Wetter hat sich über Nacht zwar nicht grundlegend gebessert. Es gibt immer noch ab und zu kurze Regenschauer (mit Regenbogen).
Die dunklen Wolken über der "Nullarbor Plain" geben der Morgenstimmung einen dämonischen "Touch".
Vor uns liegen heute 470 km bis zur angepeilten "Madura Roadstation". Wir haben uns an die langen Strassengeraden schon etwas gewöhnt.
Das sonnige Wetter lässt die unendliche Ebene im Zusammenspiel mit den Wolken noch weiter erscheinen.
Auf dem "Highway" sind die "Road Trains" am frühen Morgen die ersten; die Reisemobile folgen etwas später.
Auf der heutigen Strecke gibt es eine Menge Sehenswürdigkeiten. Die "Bunda Cliffs" gehören auch dazu. Das Meer wirft riesige Wellen aus dem Südpacific an die Steilküste, und der Wind bläst die Gischt sodann bis über die Klippenkante hoch in den Himmel, ein einmaliges Schauspiel der Natur.

Dazwischen ist die Strasse als Notlandepiste für Flugzeuge ausgeschildert und ein wenig verbreitert.
Das Wetter bessert sich zusehends. Wir sind froh, denn nur so kommen beim nächsten "Lookout" die verschiedenen Farben der Gesteinsschichten voll zur Geltung.

Also absolut flach ist die "Nallarbor Plain" nicht, wie sie die Australier gerne beschreiben. Es gibt Gebiete, wie diese, wo die Strasse wieder den gemässigten Erhöhungen folgen muss.
Nebst den Steilküsten gibt es auch allmählich abfallende Küsten mit Sandstrand.
Dann in "Border Village" geht's über die Grenze von "South- nach Westaustralia".
Leider werden uns am "Quarantine Check Point" der Bienenhonig, ein abgepackter Salat und eine Gurke beanstandet und abgenommen. Was damit geschieht wissen wir nicht; es bleibt unserer Fantasie überlassen, was der Beamte damit macht ;-)
In "Eucla", gleich nach der Grenze, machen wir einen Lunchhalt. Der Wegweiser zeigt eindrücklich die riesigen Distanzen hier in Australien auf.
Von "Eucla" führt die Strasse durch den "Eucla Pass" hinunter in das sogenannte "Eucla Basin" (Absenkung in der Erdplatte). Dieser Absatz in der "Nullarbor Plain" begleitet uns die nächsten Tage, denn der "Eyre HWY" befindet sich, im Gegensatz zur Eisenbahnlinie, auf dem Niveau dieses Basins.
Allmählich entfernen wir uns auch wieder von der Küste. Von Ferne erspähen wir die riesigen weissen Dünen. Nur mit einem 4WD-Fahrzeug könnten wir diese näher bestaunen.
Weiter geht's durch die unendliche Weite der "Nullarbor Plain".
Die Spiegelungen auf der Strasse sehen aus, als würden die Fahrzeuge auf Wasser fahren.
Die "Eyre Highway" fordert jeden Tag, bzw. jede Nacht ihren Tribut. Auf diesem Teilstück sehen wir am Strassenrand zahlreiche tote Kangaroos liegen.
In "Mundrabilla" heisst es wieder einmal auftanken. Der Dieselpreis ist hier mit A$ 1.54 pro Liter exorbitant hoch. In der letzten Zeit haben wir in der Regel etwa A$ 1.20 oder sogar weniger bezahlt. Wir befinden uns eben in einer Wüste und Konkurrenz sucht man hier vergebens ;-)
Endlich kommen wir bei der "Madura Roadstation" an. Hier steigt die Strasse aus dem "Eucla Basin" auf 117 m.ü.M. hohen "Madura Pass" hoch.
Der Caravan Park liegt etwas abseits des Highway gut geschützt inmitten von Akazienbäumen.
Madura Roadstation – Norseman (WA) (Freitag, 6.3.2009)
Wetter: heiter bis schön / Temp.: 32 Grad / Wind: 1– 3 Bf.
Am frühen Morgen fahren wir los. Das heutige Teilstück bis zur "Norseman", in der westlichen Ecke der "Nullarbor Plain", ist immerhin 525 km lang. Eigentlich wollten wir heute nur bis zur "Fraser Range Station" fahren (424 km). Diese total in der Wildnis liegende Ranch ist aber leider saisonbedingt bereits geschlossen.
Zunächst fahren wir den "Madura Pass" hoch. Von oben haben wir eine gute Übersicht auf den westlichen Teil des "Eucla Basins".
Die Vegetation verändert sich nun massiv. Die Bäume verschwinden allmählich aus dem Landschaftsbild und nur noch kleine Büsche haben hier ihre Lebensgrundlage.
Dann verschwinden auch diese gänzlich. Die Ebene ist nur noch von niedrigem Gestrüpp und Steppengras überzogen.
Und dann endlich beginnt sie, Australiens längste, völlig gerade, befestigte Strasse, welche insgesamt 146,6 km lang ist. Wenn man das auf schweizerische Verhältnisse überträgt, bedeutet dies eine Strasse ohne jegliche Kurve von St. Gallen bis Olten, für uns in der Schweiz kaum vorstellbar.
Das schnurgerade Teilstück des "Eyre HWY" beginnt bei "Caiguna" und endet bei einer alten Telegrafenstation kurz vor "Balladonia". Eine grosses Schild kündigt dieses besondere Ereignis an.
Wie mit einer Schnur gezogenen zieht sich der "Eyre Highway" durch die unendlich weite Ebene. Das Ende ist, wie erwartet, nicht sichtbar, zum einen wegen der Erdkrümmung, zum anderen wegen der riesigen Distanz, bei welcher das Auge so kleine Details gar nicht mehr aufzulösen vermag.

Um uns herum nur die weite Ebene der "Nullarbor Plain", ein absolut berauschender und faszinierender Anblick. Ebenso beeindruckend ist die absolute Stille und Ruhe hier im Niemandsland.

Was uns etwas verwundert, sind die Aussagen verschiedenster Reiseführer, die sich nicht eben mit der Wirklichkeit decken. Die "Nullarbor Plain" ist keineswegs nur eine Einöde, wie oft beschrieben wird, sondern sie ist nach unseren Erfahrungen mindestens zur Hälfte mit Büschen und Bäumen der verschiedensten Art bewachsen und wider erwarten abwechslungsreich.

Der Baumwuchs ist teilweise so dicht, dass sie sich links und rechts der Strasse zu richtigen weit ausgedehnten Wäldern formen.

Es gibt auch diverse Weiher und Seen, die zurzeit allerdings grösstenteils ausgetrocknet sind. Das Wetter hat sich übrigens im Laufe des Tages immer mehr gebessert. Wir haben das umfangreiche Tief, wie es scheint, endgültig überwunden.

Die wenigen Wasserpfützen ziehen natürlich Tiere verschiedenster Art an, so auch zwei gut getarnte "Emus" und einen Schwarm Wildenten.

Allmählich nähern wir uns dem heutigen Etappenziel "Norseman". Entlang der Strasse wird die Vegetation immer üppiger. Die rotstämmigen Eukalyptusbäume sind für uns immer wieder faszinierend anzusehen.

Das Pferdedenkmal in der Dorfmitte erinnert an das Pferd "Norseman", das beim Scharren Gold freilegte und so den Goldboom startete und damit der Ortschaft den Namen gab.
In "Norseman" tanken wir zuerst unser Büssli auf. Der Diesel hat hier wieder normale Preise (A$ 1.24 / Liter). Danach beziehen wir auf dem einzigen Campingplatz hier in "Norseman", dem "Gateway Caravan Park", eine Parzelle. Auf dem Platz wäre sogar WLAN verfügbar, nur sind dem Vermieter die "Prepaid-Cards" des Anbieters ausgegangen. Dieser Reisetagebucheintrag erscheint darum etwas verspätet.
Die dreitägige Durchquerung der "Nullarbor Plain" war sehr eindrücklich und abwechslungsreich. Was wir bisher leider nicht gesehen haben, sind wild lebende Kangaroos. Auf den langen Strassengeraden haben wir daher dieses "Kangaroo Poem" gedichtet:
I wanna see a kangaroo,
but I won't to be a kangaroo,
so what should I do as a kangaroo?
The whole day long what do they do?
They're gonna look for more food,
That's not what I wanna do,
but I'm still wanna see a kangaroo.
Verbesserungsvorschläge zu unserem kleinen Gedicht sind jederzeit willkommen (per EMail oder Kommentar zum Beitrag).
So, und nun gehen wir wieder einmal auswärts essen, denn unser Kühlschrank ist wegen des Grenzübertrittes von SA nach WA praktisch leer. Im Motel neben an gibt es guten Fisch und Lamm :-)
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Dienstag, 3. März 2009
Adelaide (SA) - Perth II (WA) (im Campervan)
Kategorien (Labels):
Australien
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